Freilichtmuseum Vogtsbauernhof

ORT: Gutach, Vogtsbauernhof
BAUZEIT: 2005-2006
BAUHERR: Landratsamt Ortenaukreis, Offenburg
VERANTW. PROJEKTPARTNER: Langenbach / Dittus
MITARBEITER: Hassler, Zimmermann, Fimm

 

» Erläuterung

PREISE / AUSZEICHNUNGEN:
2. Preis WBW 2001 / Architekturpreis 2010 Neues Bauen im Schwarzwald

EMPFANGSGEBÄUDE FREILICHTMUSEUM
VOGTSBAUERNHOF GUTACH

Westlich von Fluss und Bahn die 300-500 Jahre alten Höfe des „SCHWARZWÄLDER FREILICHTMUSEUMS“: kostbare Versammlung schönster Bauernhäuser alemannischer Holzbaukunst. Areal benötigt FASSUNG UND SCHUTZ sowie ARTIKULIERUNG EINER ZENTRALEN EINGANGSZONE.

Das 100 m lange Gebäude schmiegt sich flach, 3,5 – 6 m hoch, 12 m schmal, in die Topografie ein, von oben „angehobene Wiesenfläche“, sich AUFWÖLBENDE DACHFLÄCHE. Die Abknickung artikuliert den Vorplatz: hier 20 m hohe „Weisstannen-Stele“.

KONSTRUKTIVES HOLZSCHUTZPRINZIP / WETTERSCHUTZ durch 2 m tiefe Kupfer- bzw. Glasvordächer auf zurückgesetzten filigranen Stützen / STRUKTURELLE, wechselnd dicht gerasterte REIHUNG als abstrahierte zeitgemäße Analogie zu den strukturellen historischen Ordnungen: Holzskelett mit beidseitiger waagerechter Weisstannentäfelung zwischen Leimholz-„Ständern“ („alemannischer Ständerbohlenbau“ in Verwandlung).

FASSADE REAGIERT AUFS JEWEILIGE THEMA DER INNENRÄUMLICHEN NUTZUNGSABFOLGE / es variieren Dichte und Rhythmus der Vordachstützen wie die Struktur Dach- („Wiesen-)platte“ folgt „hügelig“ den Notwendigkeiten der sich WINDSCHIEF aufwölbenden Innenraumhöhen in sanften „SCHWINGUNGEN / VERWERFUNGEN“ erfahrbar von innen!).

FLIESSENDE KONTINUITÄT INNENRÄUMLICHER ABFOLGEN.

NUTZUNGSVIELFALT / VOM FOYER AUS ÜBERSCHAUBAR HIN ZU AUSSTELLUNGS- UND AKTIONSRÄUMEN, ZUM MUSEUMSLADEN, ZU DEN GASTSTUBEN USW.

GLÄSERNE WÄNDE mit weit öffenbaren Schiebetüren oder Glas-Vitrinenwände / trennen und verbinden.

Raumzusammenhängen bis zu 400 m² (bei 6 m Höhe) zusammenführbar.

GASTRONOMIE in Winkeln und Nischen, auf Podesten; Leibliches Wohl, Erfahrungen von BEHAGLICHKEIT / WÄRME AUCH IN NEUEN HOLZRÄUMEN.

Wie bei den „alten Höfen“ sind alle Nutzungen UNTER EINEM DACH versammelt, sucht jeder Teilbereich eigene NUTZUNGS-SPEZIFISCHE CHARAKTERISTIK.

Sprache der HOLZ-KONSTRUKTIONEN bestimmt die Gestalt des Gebäudes. Das Holz der „WEISSTANNE“ – über 600 Festmeter wurden verarbeitet – zeigt die Vielfalt der Einsatzformen; Qualität dieses traditionsreichen wie modernen Schwarzwälder Baustoffs: als massives Vollholz oder spezifisch gefertigtes „Tannen-Leimholz“; vom astigen Gebälk bis zu astfreien, breiten Schalungsbohlen; vom Fensterelement bis zu den massiven Schreinerbauteilen usw.

Die schlanken Bauteile des Dachgebälks sind zu „WINDSCHIEFEN EBENEN“ in komplizierten Schiftungen (von horizontaler Traufe zu schräg emporkletternden Fetten) als sich aufschwingende Dachfiguren verzimmert. Das mehrfach in Grundriss und Aufriss schräge Kräftespiel zeigt Holzbau in hoher Präzision: Genauigkeit komplizierter Schifter- und „Hexenschnitte“ erforderte anspruchsvolle Zimmererkunst.

Im „naturnahen Kreislauf“: die eigene „kleine, innovative, intelligente“ „HOLZPELLETS-ANLAGE“, „KACHELOFEN“ ALS WARM-WASSERBEREITER.

Das neue Gebäude sucht im Gegenüber zu den baugeschichtlichen „KOSTBARKEITEN“ DER HÖFE EIGENE zurückhaltende SPRACHE ZEITGEMÄSSER HOLZ-ARCHITEKTUR und zugleich Verwandtschaft zur vielfältigen, strukturellen Gliederung der alten Baukunst. Einfache Ordnungen, zugleich strukturelle Spannung, Bewegung, „Flüssigkeit“; Leichtigkeit, Transparenz.

Es ging darum, den Stimmungen der BEHAGLICHKEIT, GEBORGENHEIT usw. - in alten Häusern vorgefunden, gelobt, geliebt - im NEUEN nachzuspüren; zu zeigen, dass sie auch OHNE HISTORISIERENDE GESTEN, ohne schwer erträgliche Imitate, Kulissen, Kopien zu haben sind.